Wissen
Die Skala des Bewusstseins
Wenn Du einen neuen Weg einschlagen willst, musst Du zunächst wissen, wo Du gerade stehst. Dafür gibt es ein bemerkenswertes Hilfsmittel: die Skala der Bewusstseinszustände.
Sie stammt von dem US-amerikanischen Arzt und Psychiater David R. Hawkins, der sie 1995 in seinem Buch Die Ebenen des Bewusstseins veröffentlichte und damit einem breiten Publikum zugänglich machte. Über Jahrzehnte hinweg untersuchte Hawkins mithilfe kinesiologischer Muskeltests, wie unterschiedliche Gedanken, Gefühle und Haltungen auf den menschlichen Körper wirken — und ordnete das gesamte Spektrum menschlicher Bewusstseinszustände einer Skala von 1 bis 1000 zu. Je mehr Energie ein Zustand trägt, desto höher die Zahl, die er bekommt.
Wichtig dabei: Die Skala ist kein Ranking von guten und schlechten Menschen. Sie beschreibt Zustände, nicht Personen — und jeder von uns wandert im Lauf eines einzigen Tages, einer Woche, eines ganzen Lebens quer durch sie hindurch. Niemand bleibt dauerhaft an einem Punkt stehen, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Die unteren Frequenzen
Ganz unten steht Scham (20). Ein Gefühl, das die meisten von uns gut kennen — nicht nur für Dinge, die wir getan haben, sondern dafür, dass wir so sind, wie wir sind. Sätze wie „Ich bin nicht gut genug“, „Alle anderen sind besser als ich“ oder „Ich sage immer das Falsche“ gehören hierher. Meistens haben wir Scham als Kinder erlernt, oft lange bevor wir sie in Worte fassen konnten.
Etwas darüber liegen Schuld (40), Apathie (50), Trauer (75) und Angst (100). Zustände, die wir auf dem Weg zum Erwachsenwerden fast alle durchlaufen haben — manche halten sich darin bis heute länger auf, als ihnen bewusst ist. Weiter oben, aber noch immer in der unteren Hälfte, folgen Gier und Begehren (125), Wut und Zorn (150) sowie Stolz und Arroganz (175).
Stolz mag sich stark anfühlen — energetisch steht er auf der Skala trotzdem niedriger als der nächste Zustand. Der Grund: Stolz ist fragil. Er braucht ständig neue Bestätigung von außen, um sich zu halten, und kippt schnell in Scham, sobald diese Bestätigung ausbleibt.
Der Wendepunkt: Mut (200)
Bei 200 markiert Hawkins etwas, das er selbst den entscheidenden Wendepunkt nennt. Unterhalb dieser Schwelle reagieren wir im Wesentlichen auf das Leben — wir werden von Umständen, Ängsten und alten Mustern bewegt, statt selbst zu gestalten. Ab Mut beginnt sich das umzukehren. Wir können eine Herausforderung als das sehen, was sie ist, ohne von ihr überwältigt zu werden.
Mut ist dabei kein Zustand ohne Angst. Er ist der erste Zustand, in dem wir trotz Angst handeln, statt uns von ihr bestimmen zu lassen. Genau das macht ihn zum Wendepunkt: Ab hier übernehmen wir wieder Verantwortung für die eigene Richtung.
Die oberen Frequenzen
Darüber liegen Neutralität (250), Bereitwilligkeit (310), Akzeptanz (350) und Verständnis (400) — Zustände zunehmender Offenheit und Gelassenheit. Neutralität bedeutet dabei nicht Gleichgültigkeit, sondern die Fähigkeit, ein Ergebnis nicht mehr zu brauchen, um innerlich ruhig zu bleiben. Bereitwilligkeit ist der Moment, in dem wir aufhören, gegen etwas anzukämpfen, und beginnen, wirklich mitzuwirken.
Bei 500 beginnt Liebe — nicht die romantische, an eine einzelne Person gebundene, sondern eine grundsätzliche, weitgehend bedingungslose Haltung gegenüber dem Leben selbst. Freude (540) und Frieden (600) folgen. Ganz oben, jenseits von 800, verortet Hawkins das, was er Erleuchtung nennt — Zustände, die die allermeisten Menschen höchstens für einzelne Momente erleben, kaum als Dauerzustand.
Wie man mit der Skala arbeitet
Der eigentliche Wert der Skala liegt nicht darin, sie auswendig zu lernen, sondern darin, sie als Werkzeug für eine ehrliche, wertfreie Bestandsaufnahme zu nutzen. Ein paar Fragen, die dabei helfen können:
- Welche Gefühlswelt kommt Dir bekannt vor?
- Welche Gefühle hattest Du früher oft und hast sie inzwischen abgelegt?
- Welche Bewusstseinszustände melden sich vielleicht schon leise — und kannst Du sie spüren?
- Welche Schwingungsebene möchtest Du lieber in Dir erzeugen, und was müsste dafür in den Vordergrund rücken?
Wer die Skala kennt und weiß, welche Wirkung die einzelnen Ebenen auf einen selbst und auf andere haben, kann sich bewusster für bestimmte Frequenzen entscheiden — nicht, indem er sich zu positiven Gefühlen zwingt, sondern indem er zuerst ehrlich erkennt, wo er gerade steht. Genau darin liegt der erste Schritt jeder inneren Wegstrecke: nicht im Ziel, sondern in der ehrlichen Standortbestimmung davor.