Ausrichtung

Coveys vier Zentren

Wonach richtest Du Dein Leben eigentlich aus?

Wonach richtest Du Dein Leben eigentlich aus? Die meisten würden auf diese Frage spontan mit einem Wert antworten — Familie, Erfolg, Freiheit. Der amerikanische Autor Stephen Covey hat einen anderen, unbequemeren Zugang vorgeschlagen: nicht zu fragen, was einem wichtig ist, sondern woran man sein Leben tatsächlich ausrichtet — im Alltag, in den kleinen Entscheidungen, nicht in Sonntagsreden.

Ein Zentrum ist, wovon alles andere abhängt

Covey beschreibt, dass die meisten Menschen ihr Leben faktisch um ein bestimmtes Zentrum herum organisieren, auch ohne es bewusst gewählt zu haben. Für den einen ist es die Arbeit — Entscheidungen werden danach getroffen, was der Karriere nützt. Für den anderen ist es die Familie, oder das Geld, oder schlicht das eigene Ich, die eigene Bequemlichkeit.

Keines dieser Zentren ist per se falsch. Das Problem entsteht erst, wenn ein einziges Zentrum ALLE anderen Lebensbereiche bestimmt — wenn jede Entscheidung, jede Beziehung, jede freie Minute durch dieselbe Brille bewertet wird.

Handgezeichnete Illustration: vier Kreise um ein Zentrum, beschriftet mit Arbeit, Geld, Ich und Familie

Vier mögliche Zentren, um die sich ein Leben ausrichten lässt

Was passiert, wenn ein Zentrum die Führung übernimmt

Ein arbeitszentriertes Leben bewertet selbst den Urlaub danach, ob er der nächsten Präsentation nützt. Ein familienzentriertes Leben kann so weit gehen, dass eigene Bedürfnisse komplett verschwinden, weil jede Entscheidung nur noch nach den Wünschen der anderen getroffen wird. Ein geldzentriertes Leben macht selbst Freundschaften zu einer Frage von Nutzen. Und ein ich-zentriertes Leben verliert irgendwann den Blick dafür, dass es andere Menschen mit eigenen, ebenso berechtigten Bedürfnissen gibt.

Das Tückische daran: Von außen sind diese Muster oft schwer zu erkennen, weil sie sich meist vernünftig anfühlen. „Ich arbeite hart für meine Familie“ klingt nach Fürsorge — kann aber genauso gut bedeuten, dass die Arbeit längst das eigentliche Zentrum ist und die Familie nur die Rechtfertigung dafür liefert.

Ein einzelnes Zentrum macht das Leben einfach vorhersehbar — und genau darin liegt seine Grenze.

Die Alternative: an Prinzipien statt an Umständen ausrichten

Coveys Vorschlag ist kein fünftes Zentrum, das man sich aussuchen könnte. Es ist ein anderer Ansatz: das eigene Leben nicht an einem einzelnen äußeren Bezugspunkt auszurichten, sondern an Prinzipien, die unabhängig von der jeweiligen Situation gelten — Ehrlichkeit zum Beispiel, oder Fairness, oder Verlässlichkeit. Ein prinzipienzentriertes Leben fragt nicht zuerst „Was nützt das der Arbeit, der Familie, mir selbst?“, sondern „Ist das richtig — unabhängig davon, wem es gerade nützt?“

Das ist kein einfacherer Weg. Er verlangt, in jeder Situation neu zu prüfen, statt sich auf eine automatische Regel zu verlassen. Aber er schützt davor, dass ein einzelner Lebensbereich alle anderen leise auffrisst.

Warum sich das lohnt, auch ohne Namen dafür

Man muss Coveys Begriffe nicht übernehmen, um von der Grundidee zu profitieren. Es reicht, sich ehrlich zu fragen, wonach die eigenen Entscheidungen der letzten Wochen tatsächlich getroffen wurden — nicht, wonach sie hätten getroffen werden sollen. Oft zeigt sich dabei ein Zentrum, das man selbst gar nicht auf dem Zettel hatte.

  • Wonach richtest Du Deine Entscheidungen der letzten Wochen tatsächlich aus?
  • Gibt es einen Lebensbereich, der leise alle anderen mitbestimmt?
  • Welches Prinzip würde bleiben, wenn Du es von jeder konkreten Situation loslöst?
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